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Eva Geulen: Beispiellos: Adorno
Beispiellos: Adorno
(p. 241 – 251)

Eva Geulen

Beispiellos: Adorno

PDF, 11 pages

Grenzbegriff der Beispielforschung ist das Beispiellose. Wenn jedes Kunstwerk einen singulären Anspruch stellt und sich als Todfeind aller Verallgemeinerung aufstellt, dann muss sich eine Ästhetische Theorie, die ihren Namen noch verdient, bestimmte oder vielleicht gar alle Beispiele versagen. In der Einführung von bestimmten Eigennamen und Werken als Beispiele kommen weniger Adornos Kanonisierungsbemühungen in den Blick, sondern vielmehr die Eigenlogik des Ästhetischen selbst, die als Verknappung und Selektion, d.h. Fort- und Auslassen beschrieben werden kann, quid pro quo. Wenn etwas zum Beispiel gemacht wird, muss man es zum Sprechen bringen, wie das ›stumme Nashorn‹, oder die ›Etruskischen Krüge in der Villa Giulia‹. Aber das kann nur durch eine verbürgte Sprachähnlichkeit geschehen, die rhetorischen Operationen wie Metapher oder Vergleich immer schon zuvorkommt. In diesem quid pro quo liegt eine mimetische Macht, aber auch eine Fiktionalisierung, die ästhetische Theorie im Zeitalter von Prototypen und Modellen jenseits normativer Poetiken qua Beispiel zu verwirklichen hätte.

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Eva Geulen

is Director of the Centre for Literary and Cultural Research and teaches at Humboldt University in Berlin. She studied German Literature and Philosophy at the University of Freiburg and the Johns Hopkins University. She has held teaching positions at Stanford University, the University of Rochester and New York University, and was Professor of German Literature at the University of Bonn and at Goethe University Frankfurt. Her research focuses on literature and philosophy from the eighteenth century to the present, pedagogical discourses around 1800 and 1900 as well as Goethe’s morphology and its reception in the twentieth century. Her publications include Aus dem Leben der Form. Goethes Morphologie und die Nager (Berlin: August Verlag, 2016), The End of Art: Readings of a Rumor after Hegel (Stanford CA: Stanford University Press, 2006); Giorgio Agamben zur Einführung (Hamburg: Junius Verlag, 2005, 3rd edition 2016), Worthörig wider Willen. Darstellungsproblematik und Sprachreflexion in der Prosa Adalbert Stifters (Munich: ludicium, 1992), as well as essays on Nietzsche, Benjamin, Raabe, Thomas Mann and others. She has been co-editor of the journal Zeitschrift für deutsche Philologie since 2004.
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Beispiele zu geben ist eine fundamentale und unverzichtbare Praxis wissenschaftlicher Diskurse. Höchst unklar aber ist ihr theoretischer Status: In Hinblick auf allgemeine Gesetzmäßigkeiten, Begriffe und Sachverhalte scheint das Beispiel sekundär und austauschbar zu sein. Andererseits kann ein ›schlagendes‹ Beispiel ganze Argumentationen zu Fall bringen. Es ist Moment einer Praxis, die ihrerseits zu vertraut und zu verstreut ist, um selbst auf den Begriff gebracht werden zu können. Wissenschaft und Philosophie sind weitgehend blind für ihren Beispielgebrauch geblieben. Erst in jüngster Zeit wird dem zeitgenössischen Denken deutlich, dass mit dem Beispiel etwas auf dem Spiel steht. Im Anschluss an diese Erkenntnis fragen hier Forscher unterschiedlicher Disziplinen, jeweils von einem Beispiel ausgehend, ob und wie eine Diskursanalyse und damit eine Wissenschaft des Beispiels möglich ist. Es handelt sich um Vorarbeiten und Überlegungen zur Datenbank ›Archiv des Beispiels‹, die der systematischen Erfassung und Erforschung aller Beispiele dient.

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