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Mirjam Schaub: Lasset die Beispiele zu ihm kommen! Heideggers unerschrockener Umgang mit der empirischen Welt
Lasset die Beispiele zu ihm kommen! Heideggers unerschrockener Umgang mit der empirischen Welt
(p. 213 – 239)

Mirjam Schaub

Lasset die Beispiele zu ihm kommen! Heideggers unerschrockener Umgang mit der empirischen Welt

PDF, 27 pages

Im sogenannten Kunstwerkaufsatz gibt Martin Heidegger zwei Beispiele, deren tendenziöser Einsatz in diesem Beitrag entlarvt wird: Neben dem Tempel in Paestum führen besonders die Schuhe Van Goghs zu immer neuen leidenschaftlichen Debatten über die Dingwelt und ihren Status für die Kunst. Zumeist ganz beiläufig eingeführt, betont Heidegger stets die Austauschbarkeit seiner Beispiele. Auffällig sind dagegen bestimmte Modi des ›Traktierens‹, ›Fiktionalisierens‹ und ›Dramatisierens‹, die zu maßgeschneiderten Passformen für ultratheoretische Vorannahmen, wie der Lichtung des Seins, führen. Ein Brief Heideggers an Karl Jaspers offenbart einen gewissen »Ekel an der Unmittelbarkeit«, der nahe legt, dass die Beispiele erst durch die Erinnerung hindurch müssen, um kunstphilosophisch relevant werden zu können. Ein Gedächtnis des Seins kann seine Beispiele nicht mehr finden, sondern muss sie souverän erfinden, um ihnen am Ende nichts zu schulden.

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Mirjam Schaub

Mirjam Schaub

is visiting professor at TU Dresden and professor p.p. at Freie Universität Berlin. She studied Philosophy, Political Sciences and Psychology at the Universities of Munster, Munich, Paris (Sorbonne I) and Berlin and graduated with a PhD on Gilles Deleuze at Freie Universität Berlin in 2001. Meanwhile she trained as editor at the Deutsche Journalistenschule (DJS) in Munich. She has since been research assistant with various international universities, e.g. as Visiting Research Fellow at the University of Edinburgh. She also worked as a freelance critic on literature, art and film (taz, Freitag, FAZ, Magazin Süddeutsche Zeitung etc.) and as a scriptwriter of artist biographies for TV (ZDF aspekte) and is co-author of numerous catalogues and art books.

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Beispiele zu geben ist eine fundamentale und unverzichtbare Praxis wissenschaftlicher Diskurse. Höchst unklar aber ist ihr theoretischer Status: In Hinblick auf allgemeine Gesetzmäßigkeiten, Begriffe und Sachverhalte scheint das Beispiel sekundär und austauschbar zu sein. Andererseits kann ein ›schlagendes‹ Beispiel ganze Argumentationen zu Fall bringen. Es ist Moment einer Praxis, die ihrerseits zu vertraut und zu verstreut ist, um selbst auf den Begriff gebracht werden zu können. Wissenschaft und Philosophie sind weitgehend blind für ihren Beispielgebrauch geblieben. Erst in jüngster Zeit wird dem zeitgenössischen Denken deutlich, dass mit dem Beispiel etwas auf dem Spiel steht. Im Anschluss an diese Erkenntnis fragen hier Forscher unterschiedlicher Disziplinen, jeweils von einem Beispiel ausgehend, ob und wie eine Diskursanalyse und damit eine Wissenschaft des Beispiels möglich ist. Es handelt sich um Vorarbeiten und Überlegungen zur Datenbank ›Archiv des Beispiels‹, die der systematischen Erfassung und Erforschung aller Beispiele dient.

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