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Max Stadler: Der Geist des Users
Der Geist des Users
(p. 55 – 77)

Max Stadler

Der Geist des Users
Oder: vom Ende des »Boole'schen Traums«

PDF, 23 pages

Um 1980, so die These dieses Aufsatzes, tat sich etwas auf dem Gebiet des Geistes. Zunehmend verlor die Vorstellung, das Denken wäre lediglich eine Sache der Sprache, Logik und Rationalität – also etwas »im Kopf« – an Plausibilität. Was sich damals einstellte, war die heute gängige These vom Denken als situiertem, verkörperten und verteilten Vorgang; von einem Geist, der denkt, nur insofern er von Gerätschaften vermittelt und umgeben ist. Den Quellen dieses Wandels – dem Ende des »Boole’schen Traums« – wird hier in zweierlei Hinsicht nachgegangen: einerseits mit Blick auf deren populäre Vermarktung, insbesondere durch den Bücheragenten John Brockman und dessen Karriere als Wissenschaftsmacher; und andererseits mit Blick auf die wissenshistorisch zentrale Rolle, die das anbrechende Zeitalters des »Personal« Computers hierbei spielte, speziell die um 1980 entstehende Figur des »Nutzers«. Von Bedeutung ist das nicht zuletzt deswegen, weil, wie hier ebenso argumentiert wird, die Rede vom »situierten« Denken weit über diese Grenzen hinaus ihre Wirksamkeit entfalten sollte.

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David Gugerli (ed.), Andreas B. Kilcher, ...: Nach Feierabend 2013

Der Begriff Digital Humanities umfasst so verschiedene Dinge wie online-basierte Recherche-Methoden, Digitalisierung von Papierbeständen sowie die Neuerfindung der Geisteswissenschaften im digitalen Zeitalter. Eine wissenshistorische Situierung des Phänomens orientiert sich an zwei Leitfragen. Legen sich die Geisteswissenschaften mit der Digitalisierung nur ein effizienteres Instrumentarium zu oder tauschen sie ihre epistemischen Ideale gegen jene aus den natur- und sozialwissenschaftlichen Fächern ein? Und: Wie verändert sich das geisteswissenschaftliche Rollenverständnis unter den Vorzeichen von Open Access, interaktiver Textproduktion, Wikipedia und digitalen Archiven? Entsteht ein neuer Typ des medial versierten Forschenden oder werden herkömmliche Tugenden wie Analyse, Kritik und Erkenntnis bloß in neue Formen übersetzt?